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Fakt ist: das Gendersternchen ist mehr als weibl./männl.

Gendersternchen und andere Herausforderungen

Die GDS-Umfrage zum „Gendern“ war Anregung für einige Gespräche. Was mir in dem Zusammenhang aufgefallen ist: Nach wie vor herrscht eine gewisse Irritation bezüglich des “ * „:

„Man kann doch einfach Sprecher und Sprecherinnen sagen, wo ist das Problem?“

Natürlich können wir „Sprecherinnen und Sprecher“ oder „Autoren und Autorinnen“ etc. sagen. Soviel Zeit sollten wir immer haben. Damit sprechen wir die männlichen oder weiblichen Mitmenschen an. Nichtbinäre, diversgeschlechtliche Personen – mindestens ein Teil davon – fühlen sich damit nach wie vor nicht angesprochen.
 
Das  “ * “ möchte also (erst mal) niemanden ärgern oder etwas kompliziert machen. Vielmehr möchte es als Platzhalter dienen, um in der Personenbezeichnung zwischen männlichen und weiblichen eben auch nichtbinäre, diversgeschlechtliche Personen sichtbar zu machen und einzubeziehen.
Manche wünschen sich das, manchen ist es egal. Manche sind dafür, manche dagegen – hilfreich könnte auf jeden Fall sein, wenn erst mal alle denselben Stand haben und wissen, wofür das Sternchen denn da tatsächlich stehen möchte.
Und es gibt noch weitere Herausforderungen....

An dieser Stelle möchte ich auf eine neue Entwicklung im Zuge der Gender-Debatte hinweisen, welche in der Sprech- und Schauspiel-Branche angekommen ist und bereits jetzt für – nennen wir es mal so – große Herausforderung sorgt: 

Immer häufiger sind Produzenten, Caster, Studios etc. aufgefordert, für z.B. einen lesbischen Charakter im Film auch eine lesbische Schauspielerin zu engagieren; wenn jemand im Film im Rollstuhl sitzt, dann soll doch bitte der/die Spielende/Sprechende auch im Rollstuhl sitzen; ein Schwarzer im zu synchronisierenden Film? Klar, ein schwarzer Sprecher muss her; um Autismus zu spielen – bitte eine ärztlich beglaubigte Diagnose beim Casting vorweisen; ein pansexueller Charakter? Ihr ahnt es…. 
(siehe auch z.B.: Inklusionsrichtlinien der Amazon Studios oder diesen interessanten Artikel auf Zeit Online)

Produzenten, Caster, Studios etc. finden sich dadurch immer häufiger in einer unangenehmen Position wieder: Sie müssen übergriffig werden.

Sie müssen z.B. sexistisch werden...

Was ist es, wenn nicht übergriffig und sexistisch, wenn die Sexualität der Sprechenden/Schauspielenden erfragt werden muss und nur noch Menschen einer bestimmten sexuellen Ausrichtung/Identität bedacht werden dürfen?

Sie müssen z.B. rassistisch werden...

Denn was ist es anderes als übergriffig und rassistisch, wenn z.B. im Synchronbereich ein Schwarzer nur noch schwarze Rollen, ein Weisser nur noch weisse Rollen etc. sprechen darf?

Für die betroffenen Entscheidenden ist das eine schwierige Situation. Ganz zu schweigen von der Situation, in welche dieser Umstand Spielende/Sprechende bringt.

Ist das wirklich die Richtung, in welche wir gehen wollen um uns gegen Rassismus und Sexismus zu positionieren? Oder könnte es sein, dass unter dem Deckmantel des Antirassismus, des Antisexismus aktuell genau das Gegenteil stattfindet?

Vielleicht können wir die aktuelle Entwicklung als Anlass zur Überlegung nehmen, ob das tatsächlich die sinnvolle Gangart für unsere Ziele ist.

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